Betriebe

Insgesamt ist die Ernährungs- und Genussmittelindustrie mit über 600.000 Beschäftigten in rund 6.000 Betrieben der viertgrößte Industriezweig in Deutschland. Mit einem Umsatz von rund 191 Mrd. Euro in 2017 ist sie ein Garant für Stabilität, Wohlstand und Beschäftigung – insbesondere im ländlichen Raum. Diese Kennzahlen müssen jedoch verstärkt im Zusammenhang mit den zunehmenden Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Fachkräften bewertet werden. Die Auswirkungen des demografischen Wandels und der damit verbundene sinkende Anteil an Nachwuchskräften sowie die sich gleichzeitig verändernden Kompetenzanforderungen durch die Digitalisierung, machen die Fachkräftesicherung zu einer zentralen Herausforderung der Branche.

2017 konnten nicht alle Ausbildungsplätze besetzt werden. Die Branche verzeichnete gut 20 Prozent unbesetzte Ausbildungsstellen und damit den höchsten Wert im Industrievergleich. Ergebnisse der Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit verdeutlichen, dass sich besonders in der Ernährungs- und Genussmittelindustrie die Fachkräftesituation verschlechtert hat. Zwar verzeichnet die Branche noch keine bundesweiten Engpässe an Fachkräften, dafür gibt es jedoch zum ersten Mal regionale Engpässe in insgesamt vier Bundesländern. Diese Entwicklungen stehen dem Bedarf an Fachkräften der Branche diametral gegenüber, denn er steigt tendenziell weiter an. Laut ANG-Arbeitspanel 2018 sind nicht nur die klassischen ernährungsspezifischen oder kaufmännischen Berufe, sondern vor allem Technikberufe von den Unternehmen stark nachgefragt.

Vor diesem Hintergrund kommt dem Themenkomplex Aus- und Weiterbildung eine besondere Bedeutung zu.  Wenn Unternehmen in zukünftige Talente und Beschäftigte investieren, lassen sich zahlreiche Vorteile erzielen. Die eigene Ausbildung gilt als Königsweg in der Fachkräftesicherung. Wer in den eigenen Nachwuchs investiert, erhält in der Regel qualifizierte und loyale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Weiterbildung ermöglicht den Unternehmen qualifizierte Fachkräfte zu halten und ihre Abhängigkeit vom externen Arbeitsmarkt zu verringern. Zugleich wird damit ihre Arbeitgeberattraktivität gestärkt.

Hervorzuheben ist, bereits heute leisten die Arbeitgeber der Ernährungs- und Genussmittelindustrie schon sehr viel: Über 70 Prozent der Unternehmen betreiben betriebliche Weiterbildung. Dabei dominiert nach wie vor das arbeitsplatznahe Lernen, was zeitgleich bedeutet, dass betriebliche Weiterbildung zum großen Teil innerhalb der Arbeitszeit stattfindet.

Checkliste für Betriebe

Neben den Investitionen der Unternehmen in Aus- und Weiterbildung zur Fachkräftesicherung müssen ungenutzte Potenziale verschiedener Erwerbspersonengruppen noch besser genutzt werden. Ein Beispiel dafür sind Geringqualifzierte: Mit einem Anteil von 21 Prozent Helfern bei den Beschäftigten kommt der Entwicklung und damit Investitionen in Aus- und Weiterbildung der Helfer/innen eine große Bedeutung zu. Hinzu kommen Potenziale bei der Beschäftigung von Frauen, älteren Beschäftigten und ausländischen Fachkräften. Wie Unternehmen sich für die Beschäftigung dieser Zielgruppen einsetzen können und wo sie Unterstützung finden, erfahren Sie in der beiliegenden Checkliste.