PRESSEMITTEILUNG | 20.01.2026 ANG unterstützt Kanzler-Vorstoß: Fehlanreize bei Krankschreibungen abbauen

Berlin, 20.01.2026 - Die Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss (ANG) begrüßt die von Bundeskanzler Friedrich Merz angestoßene Debatte über den hohen Krankenstand in Deutschland. „Die Diskussion ist überfällig. Der dauerhaft hohe Krankenstand belastet die Unternehmen erheblich“, so Kim Cheng, Hauptgeschäftsführerin der ANG.

Zudem unterstütz die ANG die Forderung des Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Gassen, die telefonische Krankschreibung – ein Relikt aus Zeiten der Pandemie – endlich abzuschaffen. Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ohne persönlichen Arztkontakt setzten falsche Anreize und erschwerten eine verlässliche medizinische Beurteilung.

„Die ANG fordert seit längerem eine Reform der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und sieht in der Einführung von Karenztagen zu Beginn einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit ein faires und angemessenes Mittel, um kurzfristige und medizinisch nicht begründete Krankmeldungen zu reduzieren. Ziel muss es sein, die soziale Sicherung zu erhalten, bei langfristiger Tragfähigkeit und Akzeptanz des Systems“, erklärt Kim Cheng.

Mit der Einführung von Karenztagen würde die Lohnfortzahlung wieder stärker auf medizinisch begründete Fälle ausgerichtet. Gleichzeitig ist eine sozial ausgewogene Ausgestaltung notwendig. Beschäftigte mit schweren oder chronischen Erkrankungen dürfen nicht benachteiligt werden. Sinnvoll sind daher Ausnahmeregelungen, quantitative Begrenzungen sowie tarifvertragliche Öffnungsklauseln, um branchenspezifische Belastungen angemessen zu berücksichtigen.

Nach aktuellen Zahlen waren Beschäftigte 2024 im Durchschnitt 14,8 Arbeitstage krankgeschrieben. Die Kosten der Entgeltfortzahlung in den ersten 6 Wochen beliefen sich auf rund 82 Milliarden Euro – vollständig getragen von den Arbeitgebern. Deutschland zählt damit zu den Ländern mit den großzügigsten Regelungen in Europa.

Die Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss fordert die Politik daher auf, die aktuelle Debatte zu nutzen und die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall weiterzuentwickeln.

Die Ernährungs- und Genussmittelindustrie beschäftigt in knapp 6.000 vorwiegend kleinen und mittelständischen Betrieben rund 658.000 Menschen. Anders als in allen anderen deutschen Industrien werden in der Branche jedes Jahr hunderte von Tarifverträgen in den einzelnen Regionen und Teilbranchen abgeschlossen und neu verhandelt. Es gibt keinen anderen Wirtschaftsbereich in Deutschland, der eine solch differenzierte Tarifpolitik betreibt. Die ANG verbindet als Dachverband die neun

sozialpolitischen Landesverbände sowie vier Fachverbände der Ernährungs- und Genussmittelindustrie.

 

Kontakt für Presseanfragen:

Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss e.V.

Hauptgeschäftsführerin Kim Cheng

Claire-Waldoff-Straße 7, 10117 Berlin

Tel.: 030 200 786 113; E-Mail: cheng@ang-online.com

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