PRESSEMITTEILUNG | 20.01.2026 - Beschäftigung in der Ernährungs- und Genussmittelindustrie steigt weiter, Fachkräftemangel bleibt Herausforderung

Berlin, 20.01.2026

Beschäftigte

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie ist nach der aktuellen Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) zum Stichtag 30. Juni 2025 im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen (+0,7 Prozent). Neben den branchentypischen kaufmännischen und technischen Berufen sind mehr als ein Drittel der Beschäftigten in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie in ernährungsspezifischen Berufen tätig. Auch in diesen branchenspezifischen Berufen nahm die Beschäftigung wieder zu. So stieg die Zahl der Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,7 Prozent.

Auszubildende

Die positive Entwicklung der vorangegangenen Quartale setzt sich bei der Zahl der Auszubildenden in der Ernährungs- und Genussmittelindustrie fort. So waren am 30. Juni 2025 insgesamt 22.454 Auszubildende in der Branche beschäftigt. Dies entspricht einem Zuwachs von 8,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch in den ernährungstypischen Berufen ist ein Anstieg der Auszubildendenzahlen um 6,0 Prozent zu beobachten.

Vakanzen

Der Fachkräftemangel stellt die Unternehmen der Nahrungs- und Genussmittelindustrie weiterhin vor große Herausforderungen. So gestaltet sich die Besetzung offener Stellen für die Unternehmen der Branche nach wie vor schwierig. Die Vakanzzeit sank im Dezember 2025 leicht auf 231 Tage. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von 6,9 Prozent. In Arbeitstagen ausgedrückt müssen Unternehmen im Durchschnitt rund ein Jahr einplanen, um eine offene Stelle zu besetzen. Dies wirkt sich auch negativ auf die Schaffung neuer Stellen aus. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der offenen Stellen um 8,5 Prozent.

 

Ausblick

Trotz des dritten aufeinanderfolgenden Jahres wirtschaftlicher Rezession in Deutschland zeigt sich die Ernährungs- und Genussmittelindustrie bemerkenswert stabil. Während viele andere Wirtschaftszweige in den vergangenen Monaten Personal abbauen mussten, konnte die Branche ihre Beschäftigtenzahl nicht nur halten, sondern leicht steigern. Dies unterstreicht die Krisenfestigkeit der Unternehmen und ihren strategischen Fokus auf langfristige Fachkräftesicherung.

Die deutlich gestiegene Zahl an Auszubildenden ist ein weiteres positives Signal: Sie zeigt, dass die Branche auch unter schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen konsequent in die Ausbildung des Nachwuchses investiert. Gerade angesichts der anhaltenden Fachkräfteengpässe sind solche Entwicklungen von zentraler Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen.

Allerdings bleibt der Fachkräftemangel eine der größten Herausforderungen. Die unverändert lange Vakanzzeit von durchschnittlich 231 Tagen verdeutlicht, wie angespannt der Arbeitsmarkt weiterhin ist. Ohne zusätzliche politische Impulse droht die positive Entwicklung ins Stocken zu geraten.

„Nach drei Jahren wirtschaftlicher Schwächephase ist es wichtiger denn je, die richtigen Weichen zu stellen. Die Belastungen durch hohe Arbeits- und Energiekosten, wachsende Bürokratie und eine insgesamt hohe Abgabenlast wirken sich spürbar auf unsere Betriebe aus. Ebenso steigen die Lohnfortzahlungskosten für Arbeitgeber seit Jahren deutlich an. Allein 2024 lagen sie laut Institut der deutschen Wirtschaft bei rund 82 Milliarden Euro.

Wir brauchen jetzt einen klaren politischen Kurs, der gezielt entlastet, Strukturen vereinfacht und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts stärkt. Aus Sicht der ANG gehören dazu auch die Einführung von Karenztagen zu Beginn einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit. Sie würden dazu beitragen, die Lohnfortzahlung wieder stärker auf medizinisch begründete Fälle auszurichten, im Sinne einer nachhaltigen Finanzierbarkeit und gesellschaftlichen Akzeptanz des Systems“, erklärt Kim Cheng, Hauptgeschäftsführerin der ANG.

Die Unternehmen der Ernährungs- und Genussmittelindustrie leisten einen stabilisierenden Beitrag zum deutschen Arbeitsmarkt. Um diesen Beitrag langfristig sichern und ausbauen zu können, bedarf es einer zukunftsgerichteten Arbeitsmarkt- und Standortpolitik, die den spezifischen Herausforderungen mittelständisch geprägter Branchen Rechnung trägt.

Die Ernährungs- und Genussmittelindustrie beschäftigt in knapp 6.000 vorwiegend kleinen und mittelständischen Betrieben rund 658.000 Menschen. Anders als in allen anderen deutschen Industrien werden in der Branche jedes Jahr hunderte von Tarifverträgen in den einzelnen Regionen und Teilbranchen abgeschlossen und neu verhandelt. Es gibt keinen anderen Wirtschaftsbereich in Deutschland, der eine solch differenzierte Tarifpolitik betreibt. Die ANG verbindet als Dachverband die neun sozialpolitischen Landesverbände sowie vier Fachverbände der Ernährungs- und Genussmittelindustrie.

Kontakt für Presseanfragen:

Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss e.V.

Hauptgeschäftsführerin Kim Cheng

Claire-Waldoff-Straße 7, 10117 Berlin

Tel.: 030 200 786 113; E-Mail: cheng@ang-online.com

Zurück