PRESSEMITTEILUNG | Knapp jeder 2. der Beschäftigten 2024 war tarifgebunden: Tarifbindung in der Ernährungs- und Genussmittelindustrie bleibt stabil
Berlin, 05.06.2025 - Die Tarifbindung der Betriebe in der Ernährungs- und Genussmittelindustrie hat sich im Jahr 2024 mit 28 Prozent laut aktuellem IAB-Betriebspanel stabilisiert. Gleichzeitig beträgt der Anteil der tarifgebundenen Beschäftigten im Jahr 2024 48 Prozent. Nach wie vor behalten die Branchentarifverträge ihre hohe Signalwirkung, da weitere 47 Prozent der Unternehmen sich daran orientieren.
Die Pläne der Bundesregierung zur Einführung eines Tariftreuegesetzes betrachtet die Branche mit Sorge. Öffentliche Aufträge an die formale Tarifbindung zu koppeln, greift tief in das bewährte System der Tarifautonomie ein. Gerade in einer mittelständisch geprägten Branche wie der Ernährungs- und Genussmittelindustrie, die durch eine große betriebliche Vielfalt gekennzeichnet ist, ist es wichtig, Raum für flexible und passgenaue Lösungen zu lassen.
„Die Stärkung der Tarifbindung ist ein wichtiges gemeinsames Ziel, das in erster Linie durch die Sozialpartner erreicht werden muss. Entscheidend sind moderne, attraktive und an die Praxis angepasste Tarifverträge, die den Interessen von Beschäftigten und Unternehmen gerecht werden. Staatliche Vorgaben können diesen Prozess kaum ersetzen und sollten sich daher auf die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen konzentrieren.
Wir plädieren daher für eine Politik, die die Rolle der Tarifparteien stärkt und auf gesetzliche Eingriffe in die Tarifgestaltung verzichtet. Denn nur im Dialog und durch gemeinsame Verantwortung können wir die Tarifbindung in unserer Branche zukunftsfähig weiterentwickeln“, kommentiert Kim Cheng, Hauptgeschäftsführerin der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss e.V.
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) hat am 30. Mai 2025 die Zahlen zur Tarifbindung im Jahr 2024 veröffentlicht (IAB Betriebspanel). Die Befunde zur Tarifbindung beruhen auf einer Befragung von rund 15.000 Betrieben im Rahmen des IAB-Betriebspanels. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die rund 2,1 Millionen Betriebe mit mindestens einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Insgesamt sind in diesen Betrieben knapp 40,6 Millionen Personen beschäftigt.
Die Ernährungs- und Genussmittelindustrie beschäftigt in etwa 6.000 vorwiegend kleinen und mittelständischen Betrieben rund 643.000 Menschen. Anders als in allen anderen deutschen Industrien werden in der Branche jedes Jahr hunderte von Tarifverträgen in den einzelnen Regionen und Teilbranchen abgeschlossen und neu verhandelt. Es gibt keinen anderen Wirtschaftsbereich in Deutschland, der eine solch differenzierte Tarifpolitik betreibt. Die ANG verbindet als Dachverband die neun sozialpolitischen Landesverbände sowie vier Fachverbände der Ernährungs- und Genussmittelindustrie.
Kontakt für Presseanfragen:
Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss e.V.
Hauptgeschäftsführerin Kim Cheng (ab 01.07.2025)
Claire-Waldoff-Straße 7, 10117 Berlin
Tel.: 030 200 786 113; E-Mail: cheng@ang-online.com